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Glomeruläre Filtrationsrate bei chronischer Nierenerkrankung

KDIGO 2012-Leitlinien (KDIGO 2012 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease) sind Empfehlungen für die Definition und Klassifizierung von chronischen Nierenerkrankungen (CKD). Die Leitlinien sind gleichzeitig eine Handreichung für das Management der Erkrankung. Kriterien der CKD basieren auf Anomalien bei Nierenstruktur und Nierenfunktion in Verbindung mit gesundheitlichen Beschwerden, die während eines Zeitraums von mehr als 3 Monaten bestehen. Ein besonderes Anliegen der Leitlinien ist die Stadieneinteilung von chronischen Nierenerkrankungen auf der Grundlage von glomerulären Filtrationsraten (GFR). Darüber hinaus wird Albuminurie als weiteres Kriterium einer CKD adressiert. Alle wichtigen Punkte der KDIGO Leitlinien finden sich auch in der deutschen S3-Leitlinie (DEGAM 2019).

Die Möglichkeiten zur Bestimmung der glomerulären Filtrationsrate (GFR) werden diskutiert. Nach allgemeinem Verständnis wird die GFR für klinische Zwecke als eGFR (estimated glomerular filtration rate) anhand einer Messung des endogenen Kreatinins und unter Verwendung mathematischer Gleichungen bestimmt. Abgesehen vom Kreatininwert kann auch der Messwert von Cystatin C im Serum als Alternative für die Berechnung der glomerulären Filtrationsrate (eGFR mit spezieller Rechenformel) herangezogen werden. Dies gilt insbesondere für Kinder und in jenen Fällen, in denen die Kreatininmessung im Verdacht steht, fehlerhafte Ergebnisse zu liefern. Die Schätzung der GFR mittels eGFR wird als Routineparameter empfohlen und ist für klinische Anforderungen ausreichend. Die direkte Messung der GFR (mGFR) mit exogenen Markern (z. B. Inulin) ist kein Routineverfahren und bestimmten Fragestellungen vorbehalten. Sie liefert aber bedarfsweise den realistischen Ansatz für den Ausschluss einer CKD.

MDRD-Formeln und die Gleichung der CKD-EPI-Arbeitsgruppe sind die am häufigsten verwendeten Rechenformeln für die Ermittlung der eGFR. Die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse hängt jedoch in hohem Maße von der Standardisierung der Testsysteme für Kreatinin bzw. Cystatin C ab. Analytische Interferenzen und kritische anthropogenetische Faktoren müssen immer berücksichtigt werden, da sie zu falschen Ergebnissen führen können. Bei allen Formeln ist anzumerken, dass Unter- und Überschätzungen möglich sind; auf kritische Grenzwerte ist zu achten. Ergänzende Untersuchungen zur Ausscheidung von Eiweiß (Albuminurie, Proteinurie) liefern weitere wichtige Daten zur Nierenfunktion.

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